Samstag, 10. Dezember 2011

Die Strassen von San Francisco

Am Samstag (10.12.2011) unternahmen wir einen Ausflug nach San Francisco del Monte de Oro in den Sierras de San Luis. Diese Region ist besonders bekannt für die ihre Palemeras de Agua, eine spezielle Palmenart, die vielzähligen Flüsse und das Mikroklima. Den Begriff Mikroklima findet man immer wieder als besonderen Hinweis, auch im Lonely Planet wird darauf hingewiesen. Was das aber wirklich genau ist, konnte mir noch keiner erklären.





Nach langer Anreise über Stock und Stein wanderten wir schließlich los. Für diesen Ausflug hatte Edgardo einen Guide gebucht, der uns viel über die Gegend, die Natur und die Geschichte erzählte. Auf Spanisch natürlich. Mittlerweile verstehe ich fast alles und ich kann mich nun auch verständigen. Deshalb war die Spanische Tour kein Problem, im Gegenteil, so konnte ich den ganzen Tag Spanisch üben.






Nach einiger Zeit erreichten wir ein paar Felsen, die mit uralter Höhlenmalerei verziert waren. Wahrscheinlich wurden diese Zeichnungen vor circa 6000 Jahren vor Christus von den Mapuche angefertigt. Dazu verwendeten sie Tierblut und Magensäure.




Dann ging es weiter auf einen nahegelegenen Berg - leider mit dem Auto. Die Aussicht war wunderschön. 






Wir konnten auch Condores beobachten, mächtige Vögel. Laut Wikipedia haben Condores eine Spannweite von 274 to 310 cm.


Nachdem es mittlerweile sehr heiss war, beschlossen wir, zum nahegelegenen Fluss Gomez zu fahren um dort zu baden.




 Am Flussufer gab es sogar Sandstrand und so fühlte ich mich wie im Urlaub.



Auf dem Heimweg hielten wir noch an einem Denkmal, dass Alberto Rodrigez Saa, bis vor kurzem Gobernador von San Luis, zur Ehre der argentinischen Flagge erbauen lies. Sehr pathetisch.




Nachdem wir das Denkmal bewundert hatten, fuhren wir weiter nach Villa de Quebrada, die auch als Ciudad de la Fe, also Stadt des Glaubens, bezeichnet wird.




Diese Stadt liegt am Fuße der Berge von San Luis und es gibt hier auch einen Kalvarienberg und eine Jesus-Sichtung, die aber von der katholischen Kirche nicht anerkannt ist. Das hindert unzählige Pilger aber nicht daran, einmal im Jahr im März zu Tausenden in diese Stadt zu kommen und zu beten.




Am Fuße des Kalvarienberges findet man hunderte Plaketten auf eine Wand geschraubt, auf denen sich vor allem Menschen aus der Region Mendoza für diverse Dinge bedanken. Auch Autokennzeichen sieht man.




Interessant fand ich, dass viele Socken unter den Plaketten zu finden waren. Diese Bedeutung konnte ich aber bisher nicht herausfinden.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Geburtstag...

Heute hatte ich Geburtstag; es war der erste Geburtstag, an dem ich nicht zu Hause war. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass so viele von Euch an mich gedacht haben und mir per SMS, Mail, Skype oder Facebook gratuliert haben! 

Obwohl dieser Tag in Argentinien ein Feiertag ist, habe ich gearbeitet. Es gibt einfach zu viel zu tun und so war ich auch abgelenkt und bin in kein großes Heimweh verfallen. Abends veranstalteten meine KollegInnen eine kleine Feier für mich, die in Marcelo's Haus (der leitende Professor hier) stattfand. Bei Empanadas, Pizzas, Sanguches de Miga (das sind mit verschiedensten Dingen gefüllte Toastbrotscheiben), Bier und Sekt wurde ordentlich gefeiert. 


Aber das Allerbeste war die Torte, die Edgardo's Frau Ines selbst gebacken und aufwändig verziert hatte. Mit meinem Namen darauf!


Zur Torte gab es ein Geburtstagsständchen und sogar kleine Geschenke. Michael hatte auf seinem Kurztrip nach Chile für mich eine bunte Mütze besorgt und von Marcelo bekam ich ein ledernes Federpenal mit dem Logo der Universidad National de San Luis.


Die schöne Feier lies mich dankenswerterweise vergessen, was ich circa um 00:05, also bei Anbruch dieses Geburtstags, erlebt hatte. Ich lag im Bett und las noch ein wenig, als ich plötzlich ein großes, braunes Insekt auf dem Boden vorbeihuschen sah - la cucaracha, eine fette Kakerlake. Nach einem kurzen Schreckmoment holte ich ein Glas und fing das grausliche Vieh damit ein. Die Wissenschaftlerin in mir verlangte nach einem fotografischen Beweis, den ich an dieser Stelle nicht vorenthalten will:


Nach eingehender Betrachtung trat das Tier dann aber einen unfreiwilligen Flug aus dem Fenster an... Bye bye und komm hoffentlich nie wieder!

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Nachtrag - Las Quijadas

Vor meiner Krankheit waren wir ja noch im Nationalpark Sierra de las Quijadas, davon habe ich noch gar nicht berichtet. Las Quijadas liegt etwa 120 km entfernt von San Luis und ist ein 150.000 Hektar großes Areal bestehend aus Canyons aus rotem Sandstein. Die Flora und Fauna im Nationalpark ist einzigartig, verschiedenste Kakteen und Heilpflanzen wachsen hier; es gibt Guanacos und sogar Pumas.

Für diesen Ausflug hatten wir eine deutschsprachige Guide gebucht, die uns direkt von zu Hause abgeholt hat und mit Michael und mir nach Las Quijadas gefahren ist. Die Guide sprach so gut Deutsch, dass ich wirklich geglaubt habe, sie komme aus der Gegend um Hamburg. Falsch geraten, sie war eine gebürtige Argentiniern, deren Großeltern nach dem ersten Weltkrieg nach Buenos Aires ausgewandert waren.

Die Fahrt war unglaublich, man hat das Gefühl, man fährt ins Nichts. Ewige Weiten. Ein befreiendes Gefühl. Am Strassenrand Ziegen und große Teiche - die Leute hier sind an kein Wassernetz angeschlossen und sammeln so das Regenwasser.




In Las Quijadas angekommen, erklärte uns die Guide zuerst, wo wir gehen dürfen und wo nicht. Es ist nämlich gefährlich, abseits der Wege zu gehen, da die porösen Steinschichten am Rand immer brechen können.






Dann machten wir uns auf den Weg durch die Canyons. Unser Ziel war der höchste Gipfel im Nationalpark, von dem wir eine tolle Aussicht auf einige der bekanntesten Felsformationen im Park haben sollten, die Pharaones.



Hier sieht man die Spuren eines Guanacos. Guanacos haben keine Hufe, sondern weiche Trittpolster. So pressen sie den weichen, porösen Boden nicht zu sehr zusammen. Die Guanacos wurden von den Spaniern massiv gejagt; mittlerweile glaubt man, dass es in ganz Südamerika nur mehr 60 000 Guanacos gibt. Die Spanier brachten stattdessen Esel ins Land, die mit ihren Hufen den Boden eigentlich zerstören.








Es gibt hier einen Brauch; man schlichtet eben diese Steinhaufen auf um die Götter der Natur zu ehren. Geht man an so einem Haufen vorbei, so soll man einen Stein dazulegen. Die Ureinwohner von hier, die Mapuche, glaubten, in jedem Ding auf der Welt steckt eine Seele; und jedes Ding hat seinen bestimmten Zweck, den es auf der Erde erfüllen soll. Ein Stein kann zum Beispiel zum Zweck haben, einer Ameise Schatten zu spenden. Ein schöner Gedanke, finde ich.


Da es erst vor kurzem geregnet hatte, war der Park unglaublich grün und alles blühte. Das war anscheinend sehr ungewöhnlich; wir sahen sogar Pflanzen blühen, die die Guide selbst noch nie blühend gesehen hatte.

Die Guide war wirklich super, eine ruhige, sehr kluge Frau, die uns viel über die Natur und die Pflanzen erzählen konnte. Was ich besonders beeindruckend fand, waren die Geschichten der Ureinwohner, die Mapuche, die sie erzählte. Woran die Mapuche glaubten, wie sie lebten und auch wie und warum sie von den Spaniern vertrieben wurden. Besonders grausam ist die Tatsache, dass die Spanier den Mapuche die Zunge herausschnitten, damit diese ihre Kultur nicht weitergeben konnten. Dabei waren die Mapuche ein sehr friedliches Volk, dass die Natur sehr achtete. Die Mapuche versuchten zum Beispiel, nicht zu viel Fleisch zu essen. Deshalb rieben sie die eiweissreiche Rinde eines speziellen Baumes zu Mehl, das sie zu Brot weiterverarbeiteten. 

Ich finde, es ist an der Zeit, dass solche Völker wieder mehr Gehör finden in unserer Welt.








Hier sieht man einen Teerbaum, mit glatter, grüner Rinde. Die Teerbäume fand ich besonders schön.



Am Ziel angekommen machten wir Rast mit Blick auf die Pharaones. Die Aussicht war unglaublich, man sah über das ganze Tal. Ich habe viele Fotos gemacht, aber die Stimmung war schwer einzufangen. 





Nach etwa 20 Minuten Rast machten wir uns auf den Rückweg.




Die beginnende Dämmerung tauchte die Berge in ein ganz besonderes Licht; sie erschienen noch roter als vorher.



Zum Sonnenuntergang setzten wir uns ganz still auf den Boden. Die untergehende Sonne warf ein wunderschönes Licht auf die Berge; in diesem Moment vermisste ich Georg ganz besonders.


Dienstag, 6. Dezember 2011

6. Dezember...

Heute habe ich schon das sechste Kasterl auf meinen zwei Adventskalendern aufgemacht, die mir Maria und Ute auf die Reise mitgegeben haben. So kommt auch bei mir ein wenig Weihnachtsstimmung auf.


Der 6.12. ist hier kein besonderer Tag, sowie zu Hause. Den Nikolaus gibt es hier nicht; und zu Weihnachten kommt eher Papa Noel, der Weihnachtsmann, als das Christkind. Generell sind die Leute hier nicht wirklich gläubig - das kann aber natürlich auch an dem universitären Umfeld liegen, in dem ich mich ja eher bewege. Wissenschaft und Religion gehen halt meistens nicht zusammen. 

Montag, 5. Dezember 2011

Wieder G'sund

Nachdem mein letztes Post schon einige Zeit her ist, ein Lebenszeichen von mir! Ein argentinischer Virus hat mein österreichisches Immunsystem in Angst und Schrecken versetzt und mich über eine Woche ins Bett gezwungen. Aber nun ist das vorbei und heute war ich auch schon wieder arbeiten. Draußen sieht es gerade ganz stark nach Regen aus und so werde ich mich heim trollen. Außerdem ist es schon fast 19:45. Das reicht für den ersten gesunden Tag würde ich sagen...